Weißes Gold aus Kampanien bei Nicht nur Käse!|Laura Kaldinski

Weißes Gold aus Kampanien

Nicht nur Käse! am 17. Mai

Detailaufnahme Kupferkesselrand in der Käserei Robert Dommel aus dem Jahr 1964


Selten waren die Plätze so schnell vergeben wie dieses Mal. Kaum fällt das Stichwort „italienische Küche“, ist die Begeisterung riesig. Noch bevor überhaupt klar war, dass mich meine nächste Käsereireise nach Kampanien führen wird, waren die Plätze für diese Pairing Session bereits vergeben.

Dabei gibt es „die italienische Küche“ eigentlich gar nicht. Der italienische Wirtschafts- und Ernährungshistoriker Alberto Grandi beschreibt in seinem viel diskutierten Buch Mythos Nationalgericht, dass das Bild einer jahrhundertealten, homogenen italienischen Nationalküche zu großen Teilen erst im 20. Jahrhundert entstanden ist – geprägt von Industrialisierung, Migration, Tourismus, Marketing und nationaler Identitätsbildung.

Auch Italienerinnen und Italiener selbst würden wohl kaum von einer einheitlichen Küche sprechen. „Polentoni“ gehört bis heute zu den klassischen süditalienischen Spottbegriffen für Norditaliener – ein Verweis darauf, dass der Norden historisch stärker von Polenta, Butter und Reis geprägt war, während im Süden Hartweizen, Olivenöl, Gemüse und Pasta dominierten.

Und ein Blick auf die italienische Käselandkarte zeigt: über 60 italienische Käse mit geschützter Ursprungsbezeichnung und rund 550 regionaltypische Sorten. „Den“ italienischen Käse gibt es genauso wenig wie „die eine“ italienische Küche.

Die Region Kampanien zeichnet sich – nicht zuletzt durch die klimatischen Bedingungen der heißen, trockenen Amalfiküste – besonders durch ihre Pasta-Filata-Spezialitäten aus. Zwischen Neapel und Salerno befinden wir uns quasi im Zentrum des Mozzarella di Bufala Campana DOP, dem weißen Gold Kampaniens.


Doch warum steht gerade die Landschaft zwischen Neapel und Salerno, geprägt vom Vesuv und dem tyrrhenischen Meer, so sehr für genau diese Käsesorte? Kurz gesagt: Der Wasserbüffel gelangte einst in die sumpfreichen Ebenen rund um Paestum – robust, anpassungsfähig und gemacht für diese Landschaft. Aus Arbeitstieren wurden Milchlieferanten, aus Notwendigkeit entstand Vielfalt: Mozzarella, Burrata – und mit der Zeit auch gereifte Pasta-Filata-Käse wie Provolone, Caciocavallo sowie helle Hartkäse aus Büffel- und Kuhmilch.

Und genau dieses weiße Käsegold – jenseits der klassischen Mozzarella – verkosteten wir gemeinsam: gereift, teils jenseits der DOP-Regularien entstanden, teils ausgezeichnet bei den World Cheese Awards.

Drei Käse, dazu drei sorgfältig ausgewählte Weine – eine gute Stunde Genuss. Gerade die Pairings erwiesen sich dabei als außergewöhnlich spannend.

 

PRIMI PIATTI: Der drei Wochen gereifte Scamorza Bianca aus der Caseificio Starace traf mit seinen milchig-frischen, beinahe joghurtartigen Aromen auf einen leichten birnig-mineralischen Chenin Blanc.

SECONDI PIATTI: Der Provolone Stagionato, ebenfalls aus den Händen von Antonio Starace, erhielt mit seiner feinen Salzigkeit und nussbuttrigen Tiefe einen Partner auf Augenhöhe: ein aromatischer Franciacorta aus der Lombardei.

FINALE: Das große Finale bildete der Pirano aus dem Hause Caseificio Barlotti – ein gereifter Büffelkäse mit feiner Umamiwürze und milder Süße. Dazu ein Fonteneille aus dem Jahr 2014: delikat, wuchtig, ein großartiger Dialog auf der Zunge.


Nach dem Verkosten gab es wie immer den Käseschein für den Scamorza Bianca, den Käseschein für den Provolone Stagionato und den Käseschein für den Pirano – inklusive aller Hard Facts sowie QR-Codes zu den jeweiligen Reportagen..

Und weil „italienische Küche“ samt ihrer beeindruckenden Käsevielfalt Genussherzen hierzulande bekanntlich höherschlagen lässt, folgt am 14. Juni bereits Teil II: „Bella Italia meets Brandenburg“.

Wie immer in kleiner, feiner Runde. Die ersten Plätze sind bereits vergeben. Wer dabei sein möchte: unbedingt anmelden unter info@laurakaldinski.com

 

Es geht nicht um Käse! Nicht nur. Sondern auch um die um Geschichten, die er uns erzählt.

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