29. Juli 2025
Projekt I Ausdauernde Perfektion

Wie bleibt man wach?

Lucie Friedrich und Kai Michels (v. l.) strahlen am Interviewtag des 23. Juli 2025: 
„Das JUBEL funktioniert nur, weil wir als Team Kai und Lucie so sehr matchen.“ 

 

Kleine, kostbare Kunstwerke, Patisseriekunst auf Spitzenniveau, eine Welt der süßen Wunder. Schlagworte, mit der die Berliner Fachpresse vor allem einen Ort der süßen Lebenslust versieht: das JUBEL, die feine Patisserie von Lucie Friedrich und Kai Michels. Beim Spazieren durch das Bötzowkiez im Prenzlauer Berg gilt es, die Augen offen zu halten: Denn hinter einer unscheinbaren Fensterfront auf der Hufelandstraße 10 verbirgt sich eine der herausragendsten Institutionen des Berliner Patisseriehandwerks – seit über elf Jahren. Understatement pur, gekonnte Gastgeberinnenqualitäten und exzellente Spitzentörtchen sind das eine. Was braucht es noch, um so lange als kulinarischer Fixstern am Gastrohimmel der Metropole zu strahlen? 
 

Understatement pur: Hinter dieser unscheinbaren Fensterfront auf der Hufelandstraße 10 verbirgt sich seit elf Jahren eine der herausragendsten Institutionen des Berliner Patisseriehandwerks.
 

Erinnert ihr euch an den Moment, als ihr beschlossen habt, gemeinsam etwas Großes zu starten?
Kai: Ich hab damals einen Freund abends im Rutz abgeholt. Lucie und ich kannten uns von der Arbeit dort. Ihre Stimmung war am ersten Tag nach dem Urlaub auf dem Tiefpunkt. Ich wollte mich schon immer selbstständig machen. An dem Abend haben wir uns tief in die Augen gesehen und beschlossen, uns zusammenzusetzen.
Lucie: Das war 2011. Nach so vielen Jahren in der Gastro fragt man sich einfach: Wie lange will ich das hier mit all den Spätschichten machen? Man wird älter und muss irgendwann für sich entscheiden, wo die Reise hingeht.
 

Im September 2014 öffneten die Türen des JUBEL. Was ist dazwischen passiert?
Lucie: Wir wollten uns in Ruhe kennenlernen, Ideen austauschen, zueinander finden. Nach einer Trennung bin ich in Kais 45 qm² kleine Wohnung miteingezogen – rückblickend unendlich wertvoll, um festzustellen: So grundverschieden wir auch sind, in den wichtigen Punkten denken wir gleich.
 

Welche Punkte sind das?
Kai: Wir respektieren die andere in all ihren Eigenarten und lassen uns sein, wie wir sind. Wir sind Macherinnen, arbeiten hart und gern. Lucie und ich sind extrem detailverliebt, perfektionistisch und haben zugleich immer das große Ganze im Blick.
 

Der Berliner Designer Michael Sans gestaltete den ehemaligen Metzgereiraum in ein filigranes und schlichtes Ladencafé mit klarer Linie, natürlicher Materialwahl, warmem Licht und hochwertiger Glasvitrine für die kostbaren Törtchenkreationen.


Stand eure Vision, das große Ganze, schon vor elf Jahren?
Lucie: Ja! Und wir haben damals einen guten Zeitpunkt getroffen. Es gab tolle Konditoreien mit großen Tortenstücken. Unsere Idee war eine andere: kleine Törtchen auf Spitzenniveau für Berlin. Und dabei einzigartig sein, in dem, was wir anbieten.
Kai: Um diesem Anspruch gerecht zu werden, habe ich als gelernte Köchin die Konditormeisterin nachgelegt. Schließlich ist es im Restaurantbetrieb etwas anderes, Desserts für den direkten Verzehr rauszuschicken. Temperaturen, Texturen, Zutaten – da gibt es andere Spielräume. Für das JUBEL mussten wir austüfteln, wie das perfekte Törtchen seine Qualität, Aromatik und Konsistenz über sechs Stunden in der Vitrine beibehält. Auch mit jahrelanger Erfahrung tüfteln wir hier bis heute.
 

Wann ist ein JUBEL-Törtchen perfekt?
Lucie: Wenn es mir schmeckt!
Kai: Ich dachte, wenn ich selbstständig bin, wird's auch mit der Kritik leichter, aber dann kam Lucie.
Lucie: Wenn ein Törtchen aus vier Hauptkomponenten besteht, dann muss ich diese in gleicher Form herausschmecken. Jedes Törtchen braucht Süße, Säure, Crunch und unterschiedliche Texturen. Nur ganz selten müssen wir nachjustieren. Das, was Kai im Kopf hat und umsetzt, ist immer genial. Man darf nicht vergessen, dass wir unsere Produkte alle zwei Monate saisonal ausgerichtet wechseln. Alle im Team können Ideen einbringen und doch ist es Kai, die mit ihrer Expertise Aromenspiele in neue JUBEL-Kreationen verwandelt.
 

Noch immer steht Konditormeisterin Kai Michels täglich in der Backstube gleich hinter dem Ladenlokal, um die süßen JUBEL-Kunstwerke herzustellen: 
„Ein perfektes Produkt in Optik wie Geschmack ist unsere Konstante.“


Welches Aromenspiel würdet ihr Berlin gerne anbieten, habt euch aber bisher nicht getraut?
Kai: Ich biete alles an, was auch mir schmeckt. Und die Ideenfindung ist weniger romantisch, als man vermuten mag. Alle zwei Monate schaue ich, was Saison hat, miteinander harmoniert, neu und zugleich spannend ist. Dabei blicke ich auch über unseren eigenen Tellerrand. Aus einem köstlichen Basilikum-Schnaps auswärts ist ein Basilikumtörtchen entstanden; nach einem überragenden Dessert im Hallmann&Klee habe ich die Kombination Quitte und Kümmel in ein Törtchen verwandelt.
Lucie: Wir müssen nicht zwanghaft anders oder besonders ausgefallen sein. Wir sind beide mit der Küche groß geworden, vertraut mit hochwertigen Zutaten und wissen, wie wir Aromatiken fein und ausbalanciert einsetzen. Viele Gäste schätzen diese wohldosierte Extravaganz. Andere wählen lieber Klassiker wie Cheese oder Carrot Cake.

Warum schätzen euch die Gäste noch?
Kai: Lucie und ich sind nach wie vor im Laden und zeigen Gesicht. Unsere Gäste wertschätzen diese Beständigkeit.
Lucie: Genau wie unsere andauernde Qualität. Auch wenn sich die Törtchenauslage ändert, ist ein durchweg perfektes Produkt in Optik wie Geschmack unsere Konstante.
 

2014 vs. 2025: Noch immer strahlen Lucie Friedrich und Kai Michels Seite an Seite, stehen füreinander ein und verlieren niemals den gemeinsamen Blick nach vorne aus den Augen.


Was ist eure Geheimzutat, so lange am Patisseriehimmel Berlins zu strahlen?
Kai: Dass wir zu zweit sind. Dabei geht es um weit mehr, als Lasten, Verantwortung und Aufgabenbereiche zu teilen. Wenn eine Person von uns wegbrechen würde, wäre sie unersetzbar. Das JUBEL funktioniert nur mit Lucie und Kai als Team, weil es so gut matcht. Wir verstehen uns blind und kommen ohne Worte aus, wo andere mehrere Mediationssitzungen brauchen. Konkurrenz- oder Alphatierdenken kennen wir nicht. 
Lucie: Wenn notwendig, stützen wir die andere vorwurfsfrei, kompensieren Tiefen und zeigen: Ich bin da, ich stehe hinter dir. Und es hilft enorm, dass wir in einer ähnlichen Lebenssituation sind.  Beide verheiratet und jeweils drei Kinder: zwei echte und das JUBEL!

Zuhause oder im Lokal: Wo tankt ihr mehr auf? 
Beide: Im JUBEL!

Ihr schreibt auf eurer Webseite: Wir werden nicht müde, unseren Ideen Form und Geschmack zu verleihen. Wie bleibt man elf Jahre wach?
Lucie: Wir lieben das, was wir tun – nach wie vor und jeden Tag. Den Moment, wenn wir gemeinsam mit einem Kaffee in den Tag starten. Ich fühle mich in meiner Arbeit aufgehoben, frei, kann mich verwirklichen. Die Stimmung im gesamten Team ist vor allem deshalb gut, weil wir über die letzten Jahre hinweg unserem Bauchgefühl vertraut haben. Wir schauen auf den Lebenslauf, aber auch, ob sich die Leute mit uns und unseren Werten identifizieren.
Kai: Hier können wir tagtäglich unserer Leidenschaft nachgehen. Lucie und ich motivieren einander, aber auch wertschätzendes Feedback und leuchtende Augen der Gäste. Wir glauben seit Tag eins an unseren Erfolg und werden nicht müde, hart dafür arbeiten. Und wir haben ein tolles Team im Rücken, auf das wir uns verlassen können.
 

Schon 2014 war den beiden klar: „Wir müssen nicht zwanghaft anders oder besonders ausgefallen sein. Die Gäste schätzen wohldosierte Extravaganz.“


Wie seid ihr beiden als Chefinnen?
Kai: Wir sind Chefin und Teil des Teams zugleich. Flache Hierarchien und ein respektvolles Miteinander haben uns und das Produktergebnis bisher immer bereichert. Zehn Jahre hatten wir denselben Windbeutelteig, bis eine Kollegin eine verbesserte Rezeptur eingebracht hat. Seither nutzen wir natürlich die.
Lucie: Wir freuen uns, auf Augenhöhe mit dem Team das Bestmögliche für eine gewohnte JUBEL-Qualität herauszuholen und müssen niemandem mehr beweisen, wie viel Erfahrung und Expertise wir mitbringen. 
 

Wie sehen die nächsten elf JUBEL-Jahre aus?
Lucie: Wir wollen genauso weitermachen, aber auch wachsen!
Kai: Unser nächstes Projekt heißt Nebenan: Eine räumliche Vergrößerung würde uns noch mehr Spielräume für Küche, Kurse und Veranstaltungen bieten. 

 

Das JUBEL
Hufelandstraße 10, 10407 Berlin
Webseite: www.jubel.berlin 
Instagram: www.instagram.com/jubel_patisserie 

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