3. März 2026
Notizen & Neues erhalten
Das eigene Handwerk feiern
Können die Briten deutlich besser als wir

Notizen & Neues
Vier Tage Recherchereise durch Mittel- und Südengland liegen hinter mir. Mein persönliches Resümee: Das eigene Handwerk zu feiern: Können die Briten deutlich besser als wir.
Ob in der Käseproduktion der Stichelton Dairy, im gelebten Teamgeist bei Paxton & Whitfield, bei frühmorgendlichen Verkostungen am Borough Market, auf den Hügeln der Cotswolds in der King Stone Dairy oder im spürbaren Stolz der Familie Blunt von Golden Cross Cheese in East Sussex: Im Königreich liegt eine andere Selbstverständlichkeit in der Luft.
Mehr Haltung.
Mehr Bekenntnis zueinander.
Mehr Freude am eigenen Handwerk.
Natürlich ließe sich argumentieren, dass die britische Käserenaissance – Stichworte Randolph Hodgson und Neal’s Yard Dairy – bis heute Rückenwind gibt. Doch dieser Aufbruch liegt inzwischen mehr als vierzig Jahre zurück. Brexit und die anhaltenden Debatten um Rohmilch belasten das Handwerk weiterhin spürbar. Die steigende Inflation setzt Betriebe wie Handel gleichermaßen unter Druck.
Und doch ist – ob in East Sussex, London, am Rand der Sherwood Forest oder in Gloucestershire – eine allumfassende Hingabe spürbar. Ein unbedingter Glaube an das gemeinsame Erschaffen. Etwas anderes zu tun steht nicht zur Debatte. Genuss und Hingabe liegen in der Luft.
Es geht nicht nur um Käse. Nicht nur.
Diesen Spirit auf deutschem Boden greifbar zu machen, bleibt eine Herausforderung. Aber wir geben unser Bestes. In kleinen Laiben. Und im großen Ganzen.

Wie am Sonntagabend beim monatlichen Berliner Käse-Stammtisch für Makers & Mongers: Kneipe, Käseköpfe, konzentrierter Genuss. Zwei Käse meiner Großbritannienreise waren natürlich im Gepäck – kein Geringerer als Baron Bigod von Fen Farm Dairy (Waves of Joy!) und der cidergewaschene Yarlington von King Stone Dairy. Nach ein paar einordnenden Worten zu Käserei, Kultur und Kontext war die Überraschung groß: Wie vollmundig und aromatisch beide Käse – trotz Pasteurisierung – auf der Zunge lagen.
Liegt es an den sattnassen Marschwiesen Suffolks? An der Montbéliarde-Herde auf der Fen Farm? Schmeckt man im Weichkäse aus Gloucestershire eher die wilde Herdenmischung frei lebender Kühe oder das mineralisch-kräuterwürzige Terroir der Cotswolds? Käsegesichter unter sich. Sehr nerdige Fragen. Ich liebe es jedes Mal.
Nach dem Verkosten gab es wie immer den Käseschein mit allen Hard Facts – und QR-Code zur Reportage.
Wer beim nächsten Berliner Käse-Stammtisch für Makers & Mongers am Sonntag, den 5. April um 17 Uhr dabei sein möchte, trägt sich gern in die Liste ein oder schreibt mir eine E-Mail.
Einladung: Nicht nur Käse am 22. März!

Die Eindrücke und Köstlichkeiten aus Großbritannien sind noch zu frisch, um sie nicht direkt beim nächsten Event Nicht nur Käse! am 22. März um 17 Uhr im Chez Jérôme WeinZimmer auf den Tisch zu bringen: Die britische Käserenaissance steht auf dem Menü!
Wie immer eine kleine, großartige Käsezeit – nicht nur für den Gaumen. Dazu der passende Wein: sorgfältig kuratiert, bewusst kombiniert. Drei Käse, drei Weine, eine gute Stunde konzentrierter Genuss.
Eine kleine, feine Runde.
Anmeldung per E-Mail erforderlich.
Garnituren
Wer sich bis dahin die Zeit mit Käsehandwerk aus Großbritannien verkürzen möchte – neue Cheese Stories aus dem Königreich sind frisch erschienen:
- Eine wilde Herdenmischung, ein leidenschaftlicher David Jowett und die bedingungslose Liebe zu den Cotswolds – erst am Freitag vor Ort erlebt.
- Ned Palmer führte mich darüber hinaus einen ganzen, großartigen Tag durch das Käseparadies London.
- Und die Familie Blunt schreibt in East Sussex seit über vierzig Jahren britische Käsegeschichte im Kleinformat – mit Golden Cross Cheese. Wundervoll!
In diesem Sinne: Das (eigene) Käsehandwerk noch mehr feiern, bitte!
Es geht nicht um Käse. Nicht nur.