16. Oktober 2025
Cheese Stories

Redlef Volquardsen: „Unser Schafskäse hat einen echten Preis“

Diese Cheese Story basiert auf einem ausführlichen Interview mit Redlef Volquardsen. Als handwerklicher Käser und Bioland-Landwirt in Norddeutschland spricht er über Schafskäse, Herkunft und Verantwortung – und über Käse als Ausdruck von Haltung statt Produkt.

Redlef Volquardsen mit auf seiner Schafsweise in Tetenbüll

 „Schafskäse ist ein sehr traditionelles Produkt, und ich stamme selbst aus einer traditionsreichen friesischen Familie, die schon immer Käse aus Schafmilch hergestellt hat – das passt einfach perfekt in die Region. Unsere Rasse, das Friesische Milchschaf, rundet das Ganze ab: ein echtes Produkt von hier, von einem waschechten Friesen.“


„Ich bin gerade ganz glücklich.“ Und das nehme ich ihm sofort ab. Gemeinsam mit seiner Frau Monika führt Redlef Volquardsen seit 2003 die Friesische Schafskäserei Volquardsen in Tetenbüll und prägt damit seit über zwei Jahrzehnten eine besondere Nische, die sowohl die Spitzengastronomie als auch viele Gäste der Region begeistert. Auf ihrem Bioland-Hof verbinden die beiden ökologische Landwirtschaft und traditionelles Handwerk zu Produkten von höchster Qualität: Rund 150 Milchschafe liefern die Grundlage für feinste Käsesorten, die in einem über 400 Jahre alten Gewölbekeller reifen.

Mit Hofladen, Führungen und als Demonstrationsbetrieb für ökologischen Landbau macht die Käserei Nachhaltigkeit, Tierwohl und regionale Esskultur erlebbar. Die Bestätigung, dass sich dieser Weg seit Jahrzehnten bewährt, macht Redlef bis heute spürbar zufrieden. Zudem hat er gerade erst die jährliche Bio-Zertifizierung erfolgreich bestanden und frisches Winterheu eingefahren. Im Gespräch begegnet mir ein erfahrener Landwirt und einer der wenigen verbliebenen Friesen seiner Art, für den Qualität, Tierwohl und ein nachhaltiges Miteinander auf dem Hof stets wichtiger sind als reine Gewinnmaximierung.

Alltag in der Friesischen Schafskäserei

Was ist bis zur Einstallung der 150 Schafe im November auf dem Hof und in der Landwirtschaft noch zu tun?
Redlef: Das duftende Heu, das ich vergangene Woche eingefahren habe, reicht für etwa drei Wochen der langen Winterzeit. Die Tage werden nun kürzer und ruhiger, es kommen weniger Gäste auf den Hof, und auch die Milchproduktion der Schafe geht zurück – eine Phase, in der ich Vorräte anlege, die bis nach der Ausstallung im nächsten Mai reichen müssen. Alles, was wir heute tun, wirkt sich direkt auf die kommende Saison aus: Wir arbeiten periodisch und denken konsequent in Jahreszyklen. Deshalb müssen Mistkompost und Jauche noch ausgebracht, der Stall gründlich gereinigt, getrocknet und frisch eingestreut werden, bevor die geschorenen Schafe ihr Winterquartier beziehen können. Und dann beginnt die Adventszeit – meine liebste im Jahr. Nur noch drei Mal täglich hinunter, die Tiere versorgen und dazwischen mit der Familie die ruhigen Tage genießen.

Die Außenfassade des Käseladens von Redlef Volquardsen – ein Ort, an dem handwerkliche Käsekultur, Haltung und bewusster Genuss sichtbar wer

 „Unser Konzept ist authentisch – das sind wir. Von Anfang an haben wir Führungen angeboten und unseren Hof als Ausflugsziel geöffnet. Das fand sofort großen Zuspruch.“ 


Findest du neben Hof, Käserei und Direktvermarktung auch Zeit für Urlaub – fernab vom Alltag als Landwirt und Käser?
Redlef: Natürlich fahren wir auch in den Urlaub – das ist unglaublich wichtig, um Abstand zu schaffen, aufzutanken und neue Impulse zu gewinnen. Dabei nutzen wir die Gelegenheit, andere Schafskäsereien zu besuchen und uns dort inspirieren zu lassen. Im Urlaub höre ich schließlich nicht auf, Landwirt zu sein: Das hier ist unser Leben, und die Begeisterung für unsere Tiere und unsere handwerklichen Produkte begleitet mich überallhin. Ob in Spanien oder in einem Wellnesshotel in Mecklenburg-Vorpommern – am Ende lande ich doch immer wieder in einer Schafskäserei, lasse mich von Kollegen inspirieren oder helfe kurzerhand beim Rosenkohlernten, weil sich das Gespräch über meinen Beruf ganz von selbst ergibt.

Authentizität in der Käsekultur

2003 habt ihr den elterlichen Bioland-Rindermastbetrieb in eine Milchschafhaltung mit eigener Käserei und Direktvermarktung umgewandelt. Warum fiel eure Wahl auf Schafe und auf handwerklichen Schafskäse?
Redlef: Wir haben vor über 20 Jahren eine kleine, aber sehr feine Nische erkannt. In Nordfriesland mit seinem starken Tourismus verkauft sich alles, was mit „Schaf“ oder „Friese“ zu tun hat, besonders gut. Käse aus Schafmilch ist zudem ein traditionelles Produkt, und ich stamme selbst aus einer traditionsreichen friesischen Familie, in der schon immer Schafskäse hergestellt wurde – das passt einfach perfekt in die Region. Unsere Rasse, das Friesische Milchschaf, rundet das Ganze ab: ein echtes regionales Produkt von hier, von einem waschechten Friesen.

Du gehörst zu den wenigen Menschen in Deutschland, die Friesisch sprechen und einen friesischen Namen tragen. Diese kulturelle Echtheit wird dir abgenommen. Welche Rolle spielt Authentizität für eure Käsekultur?
Redlef: Unser Konzept ist authentisch – weil wir es sind. Von Anfang an haben wir Hofführungen angeboten und unseren Bioland-Hof bewusst als Ausflugsziel geöffnet. Das stieß sofort auf großen Zuspruch. Viele Besucher haben heute kaum noch Berührung mit Tieren und sind überrascht, wie sich ein Schaf anfühlt – oder dass nach dem Streicheln Lanolin, also Wollfett, an den Händen bleibt. So verkaufen wir nicht nur handwerklichen Schafskäse, sondern verknüpfen unser Produkt mit einem Erlebnis: Der Käse schafft Erinnerung, und gleichzeitig leisten wir Verbraucheraufklärung.

Direktvermarktung, Hofladen und Spitzengastronomie: Wie setzt sich eure Kundschaft heute zusammen?
Redlef: Rund 70 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir über den Hofladen, die restlichen 30 Prozent über Restaurants und ausgewählte Läden. Vor allem Touristen, die regionale Produkte direkt aus der Region beziehen möchten, kaufen hier vor Ort ein. Einheimische beziehen unseren Schafskäse im Alltag meist im Supermarkt um die Ecke, statt extra zum Hofladen zu fahren. Unsere Käseprodukte finden sich in besonderen Restaurants wie Salt & Silver oder Urban Nature, aber auch im Esszimmer und Stilbruch. Besonders stolz bin ich auf den Friesischen Schafskäse bei Salt & Silver: Er ist dort das meistbestellte Gericht. Wenn ich selbst im Restaurant sitze und sehe, wie der Käse rechts und links über die Theke geht, erfüllt mich das mit Stolz. Serviert wird er warm, mit Kumquat-Sauce und würzigem Crumble – ein echtes Geschmackserlebnis.

Vom Hofladen bis in die Spitzengastronomie

Seit über zwanzig Jahren bietest du handwerklichen Schafskäse in einer bewussten Nische an – ein Produkt höchster Qualität, das auch in der Spitzengastronomie geschätzt wird. Was macht deinen Käse im Vergleich zu anderen Schafskäsen so besonders?
Redlef: Die hervorragende Milch unserer Schafe ist die Grundlage. Daneben geben wir dem Käse die Zeit, die er braucht, um langsam zu reifen und vielschichtige Aromen zu entwickeln. Der „Tetenbüller“ etwa lagert bei rund 12,5 Grad für mindestens zwei Monate – und wenn er dann noch nicht perfekt ist, bleibt er einfach länger im Gewölbekeller, bis er seinen vollen Geschmack entwickelt hat. Diese handwerkliche Qualität wissen viele zu schätzen, auch wenn sie sich im Preis widerspiegelt.

„Der Porsche unter den Schafskäsen“ – so hast du es eben überspitzt formuliert.
Redlef: Wir haben von Anfang an entschieden, dass unsere Herde 150 Tiere nicht überschreiten soll. Wachstum oder Maximierung standen für uns nie im Vordergrund – stattdessen setzen wir konsequent auf Qualität, Nachhaltigkeit und die Werte kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Natürlich steigen durch äußere Umstände derzeit viele Kosten: Mitarbeitende brauchen faire Löhne, und auch die Schlachtpreise ziehen an. Wir wollen das bewusst nicht über eine größere Herde oder höhere Milchmengen ausgleichen. Deshalb spiegeln sich diese Faktoren in den Produktpreisen wider – Zahlen, die wir unseren Kunden transparent und gut begründen können. Genau das gehört zu unserem Konzept: Der Käse hat einen echten Preis, der Qualität, Arbeitsbedingungen und nachhaltige Bewirtschaftung abbildet. Uns geht es nicht um maximale Gewinnspannen, sondern darum, dass alle Akteure auf dem Hof langfristig ausreichend Raum haben, sich zu entfalten und wohlzufühlen.

Regionalität und Trendmechanismen

Du hast seit vielen Jahren einen genauen Blick auf den Käsemarkt: Welche Trends beobachtest du aktuell bei regionalem Käse – sowohl in der Spitzengastronomie als auch bei den Kunden vor Ort?
Redlef: Regionalität ist derzeit ein zentrales Thema. Viele Menschen möchten ein gutes Gefühl haben, nachhaltig zu essen oder bewusst Urlaub zu machen, und dabei etwas Direktes aus der Region mit nach Hause nehmen. Gleichzeitig schätzen sie das Ursprüngliche: besondere Spezialitäten wie unsere, die sie nicht überall bekommen. Wir merken, dass immer mehr Gäste gezielt nach exklusiven, regionalen Produkten suchen – aus intrinsischer Motivation, aber auch, weil sie hervorragenden, echten Geschmack zunehmend zu schätzen wissen.

Redlef Volquardsen mit einem handwerklich hergestellten Käse in der Hand.

Sein liebster Käse in der aktuellen Auswahl ist der „Tetenbüller“: ein Schnittkäse aus 100 Prozent pasteurisierter Schafmilch, der mindestens zwei Monate im Gewölbekeller reift. Hier wird er mehrmals pro Woche mit Salzwasser gepflegt, wodurch er seine individuelle Rinde mit Brevibacterium-linens-Kulturen bildet.

Du hattest kurzzeitig einen Käse aus Schafmilch mit Rosenblüten aus der Region im Angebot.
Redlef: Ja, einmal haben wir einen Käse mit Rosenblüten gemacht – eine Anfrage von einem Sylter Restaurant. Aber das Produkt hat mir nicht gefallen. Die zarten Rosennoten passten einfach nicht zu unserem Käse; der Geschmack soll dem Gaumen schmeicheln, nicht nur einem Trend folgen. Also haben wir ihn auslaufen lassen. Denn ich verkaufe nur Käse, den ich selbst gerne mag – und Käse liebe ich nach wie vor, besonders meinen eigenen. Aber ich genieße auch tolle Käsesorten anderer Betriebe, zum Beispiel ein schönes Stück Comté vom Wochenmarkt hier ums Eck. Es gibt so viele großartige Käsereien, die mich inspirieren und zeigen, wie vielfältig die Kunst der Käseherstellung ist.

Also keine weiteren Käseexperimente?
Redlef: Es darf vieles gerne so bleiben, wie es ist. Ich liebe das Gefühl, auf einer Welle zu schwimmen – diese Tage, an denen scheinbar alles wie von selbst läuft, auch wenn sie selten sind. Ich würde mich freuen, wenn unser tolles Team weiterhin besteht und wir junge Menschen während ihrer Praktika oder Ausbildung mit unserem Spirit und der Leidenschaft für hochwertige Spitzenprodukte anstecken können, um die nächste Generation bewusst arbeitender Landwirte zu sichern. Ich bin jetzt Anfang 50 und habe eine Tochter, mit der ich übrigens ausschließlich Friesisch spreche – mit kleinen Kindern und Tieren kann ich nur Friesisch kommunizieren, weil es eine Sprache des Herzens ist. Ich muss jetzt kein Rad mehr neu erfinden, aber ich kann Samen säen, damit die Liebe zu herausragenden Produkten auch in Zukunft weiterlebt.

 

Diese Begegnung ist Teil meiner fortlaufenden Cheese Stories über internationale Käsekulturen. 

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